Nachwuchsförderung im Tennis: Lektionen aus dem Training von Matteo Berrettini von 12 Jahren bis an die Weltspitze
Veröffentlicht am 4.2.2026

- 1. Wie sich die Beziehung zwischen Trainer und Spieler in der Nachwuchsentwicklung im Tennis verändern muss
- 2. Technik ist wichtig – aber eine übermäßige Fokussierung auf Technik kann junge Spieler schaden
- Selbstvertrauen erhalten, während schwache Schläge verbessert werden
- Warum Plan B und Plan C im Tennis unverzichtbar sind
- Die Buggy-Whip-Vorhand und was als Nächstes auf Coach Life kommt
Als Nachtrag zu der E-Mail, die ich kürzlich wegen unseres spannenden neuen Shootings in Rom in der Woche vom 16. Februar verschickt habe, möchte ich einige erste Erkenntnisse aus unserem kommenden Projekt mit Vincenzo Santopadre teilen.
Vincenzo war der Juniorentrainer – und langjährige Trainer – von Matteo Berrettini. Er begleitete Matteo bereits ab seinem 12. Lebensjahr und führte ihn bis ins Wimbledon-Finale und in die Top 5 der Weltrangliste, seine persönliche Bestleistung. Er gilt weithin als einer der besten Nachwuchstrainer im Tennis weltweit. 
Wir hatten kürzlich ein 90-minütiges Gespräch, und die Einblicke, die er teilte, waren außergewöhnlich. Zwei Themen stachen besonders hervor – beide sind entscheidend für Nachwuchsspieler, Eltern und Trainer, die sich auf die langfristige Tennisentwicklung konzentrieren.
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1. Wie sich die Beziehung zwischen Trainer und Spieler in der Nachwuchsentwicklung im Tennis verändern muss
Einer der faszinierendsten Aspekte von Vincenzos Weg mit Matteo ist, wie sich ihre Beziehung im Laufe der Zeit entwickelt hat.
Im Juniorentennis ist die Dynamik zwischen Trainer und Spieler nie statisch. Wie man einen 12-Jährigen trainiert, unterscheidet sich völlig davon, wie man einen 14-Jährigen trainiert, und wieder anders bei 16, 18 und schließlich im Erwachsenenalter.
Anfangs übernimmt ein Juniorentrainer oft die Rolle eines Vaterfigur oder Mentors und bietet Struktur, Orientierung und emotionale Stabilität. Doch wenn Spieler körperlich, mental und emotional reifen, muss sich diese Dynamik verändern. Wenn ein Spieler zum Mann und Profisportler wird, sollte die Beziehung deutlich kooperativer, respektvoller und vertrauensbasiert sein.
Vincenzo trainierte Matteo nicht nur als Junior, sondern auch als Profi auf höchstem Niveau. Zu verstehen, wie man kommuniziert, wie man Feedback gibt und wie man seinen Führungsstil in jeder Phase anpasst, gehört zu den wahren Kunstfertigkeiten der Nachwuchsentwicklung im Spitzentennis.
In vielen Fällen ist die Art, wie etwas gesagt wird, weit wichtiger als das, was gesagt wird. Vermittlung, Timing, Tonfall und Zusammenarbeit entscheiden oft darüber, ob sich ein Spieler verbessert oder komplett abschaltet.
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2. Technik ist wichtig – aber eine übermäßige Fokussierung auf Technik kann junge Spieler schaden
Eine weitere wichtige Erkenntnis, die Vincenzo teilte, war die Gefahr, sich zu sehr auf die Technik zu fixieren, besonders im Juniorentennis.
Es besteht kein Zweifel, dass solide Grundlagen und saubere Technik für die langfristige Spielerentwicklung unerlässlich sind. Entscheidend ist jedoch, wie Technik vermittelt und besprochen wird.
Wenn junge Spieler darauf konditioniert werden, verfehlte Schläge sofort auf „schlechte Technik“ zu schieben, kann das ihr Selbstvertrauen im Match stark beschädigen. Ein Vorhand- oder Aufschlagfehler bedeutet nicht automatisch, dass ein technischer Fehler vorliegt.
Es gibt unzählige Gründe, warum ein Schlag an einem bestimmten Tag nicht funktioniert:
• Mentaler Druck
• Ermüdung oder körperliche Belastung
• Beinarbeit und Positionierung auf dem Platz
• Paarungen und Spielstile der Gegner
• Ballbeschaffenheit oder Platzgeschwindigkeit
Wenn Spieler bei jedem Fehler automatisch in technischen Kategorien denken, geraten sie oft mental ins Trudeln. So kommt es, dass technisch saubere Spieler trotzdem Schwierigkeiten mit mentaler Stärke, Widerstandsfähigkeit und Problemlösung unter Druck haben.
Gute Nachwuchsentwicklung im Tennis bringt Spielern bei, Matches auch dann zu gewinnen, wenn nicht alles perfekt läuft.
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Selbstvertrauen erhalten, während schwache Schläge verbessert werden
Vincenzo sprach außerdem etwas an, das jeder Tennisvater und jeder Trainer verstehen sollte:
Man möchte die schwächeren Schläge eines Spielers unbedingt verbessern – aber wie man diese Arbeit einordnet, ist entscheidend.
Wenn eine Vorhand, ein Aufschlag oder eine Rückhand ständig als „große Schwäche“ bezeichnet wird, kann das langfristig eine negative Haltung gegenüber diesem Schlag erzeugen. Ist das einmal passiert, bricht bei jedem Fehler im Match oft auch das Selbstvertrauen des Spielers zusammen.
Der gesündeste Ansatz ist stattdessen:
• Verbesserungsbereiche anerkennen
• Schrittweise und über die Zeit daran arbeiten
• Sprache konstruktiv und zukunftsorientiert halten
• Emotionale oder katastrophisierende Formulierungen vermeiden
So können Spieler andere Teile ihres Spiels weiterentwickeln – Taktik, Bewegung, Kampfgeist, Kreativität – anstatt mental an einer vermeintlichen Schwäche festzuhängen.
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Warum Plan B und Plan C im Tennis unverzichtbar sind
Diese Philosophie knüpft direkt an etwas an, woran ich seit Jahrzehnten glaube – als ehemaliger Profispieler und heute Gründer von Coach Life.
Wenn ein Schlag an einem bestimmten Tag nicht funktioniert, brauchen Spieler Alternativen.
Als ich professionell spielte, war meine Vorhand eine meiner größten Waffen. Doch wenn mein normales Vorhand-Timing nicht stimmte, verließ ich mich stark auf die Buggy-Whip-Vorhand (Finish auf der rechten Seite), um aggressiv zu bleiben und Punkte zu kontrollieren.
Dasselbe gilt für das gesamte Spiel:
• Wenn dein Flachaufschlag nicht funktioniert, setze auf Kick oder Slice
• Wenn deine Rückhand einbricht, nutze den Slice, um in Ballwechseln zu bleiben
• Wenn der Rhythmus von der Grundlinie nicht stimmt, geh nach vorne oder spiele Serve-and-Volley
Diese Anpassungsfähigkeit ist ein Kernmerkmal mental starker Spieler – und sie muss im Juniorentennis früh entwickelt werden.
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Die Buggy-Whip-Vorhand und was als Nächstes auf Coach Life kommt
Deshalb freue ich mich so sehr auf zwei kommende Shootings.
Erstens bietet unser Shooting in Rom mit Vincenzo Santopadre einen seltenen, tiefgehenden Einblick in die langfristige Nachwuchsentwicklung im Tennis – vom 12. Lebensjahr bis zum Weltklasse-Profi. Darüber können nur sehr wenige Trainer weltweit wirklich authentisch sprechen.
Zweitens werde ich nächste Woche exklusiv für Coach-Life-Abonnenten einen fortgeschrittenen Deep Dive zur Buggy-Whip-Vorhand filmen. Dieser geht weit über grundlegende Anleitungen hinaus und behandelt Varianten, Einsatz, Entscheidungsfindung sowie die Frage, wer sie einsetzen sollte und wer nicht.
Als ich zum ersten Mal mit Robert Lansdorf sprach – er trainierte Pete Sampras, Maria Scharapowa und Lindsay Davenport –, verbrachten wir fast drei Stunden allein mit diesem Schlag. Wir teilten dieselbe Überzeugung von seiner Bedeutung, seinen Varianten und seiner Rolle für das langfristige Selbstvertrauen der Spieler.
Ich glaube an diesen Schlag, seit ich 16 Jahre alt war – und ich freue mich darauf, dieses Wissen endlich vollständig weiterzugeben.
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Abschlussgedanke
Gute Nachwuchsentwicklung im Tennis dreht sich nicht nur um Schläge und Übungen. Es geht um Kommunikation, Selbstvertrauen, Anpassungsfähigkeit und langfristiges Denken. Das sind die Lektionen, die wir über die besten Nachwuchstrainer der Welt auch weiterhin in die Coach-Life-Community tragen werden.
Bleibt dran – diese nächste Phase unserer Inhalte wird etwas Besonderes.
Peter Clarke
CoachLife-Gründer und ehemaliger Profispieler
Cheftrainer der CoachLife Academy


